Benedikt Brückmann
Chief Operating Officer
Das Stichwort ist in aller Munde, aber worum geht es überhaupt?
Für mich geht es darum zu überlegen, bei wem meine Daten liegen, und ob ich darauf vertraue, dass ich immer Zugriff darauf habe, aber auch, dass meine Daten nicht von anderen missbraucht werden.
Der amerikanische Präsident könnte jederzeit einen Erlass ausstellen, der dafür sorgt, dass alle (amerikanischen) Anbieter meine Accounts sperren. So ist es bereits Richtern des Internationalen Strafgerichtshofs gegangen, die plötzlich keinen Zugriff mehr auf ihre Emails oder Kreditkarten hatten. Dass es mir persönlich auch so geht ist unwahrscheinlich, aber wie sieht es generell in der EU aus, falls wir höhere Gegenzölle beschließen?
Der andere Fall ist das Vertrauen in die Anbieter selber. Je größer der Konzern wird, desto eher laufe ich Gefahr, dass ein Algorithmus darüber entscheidet, ob mein Account noch funktioniert oder nicht. Und menschlichen Support zu erreichen, der auch einfach sieht dass keine echten Probleme vorliegen, wird in den letzten Jahren immer schwerer.
Und generell: Je mehr Daten bei einem Anbieter über mich zusammenlaufen, desto schärfer wird mein Profil und das meiner Mitmenschen. Das kann zum einen dafür verwendet werden, mir tolle Produkte zu verkaufen. Zum anderen aber auch, um massenhaft Bevölkerungsgruppen zu überwachen und Wahlen zu beeinflussen.
Einfach mal Anfangen. Am Besten da, wo es einfach ist. Und dann das Ganze erstmal ausprobieren und erst später mit einem anderen Teil weiter machen. Eine Hauruck-Aktion bringt meiner Meinung nach vermutlich nur mehr Stress, und sorgt am Ende eher dafür, dass man bei seinen gewohnten Diensten bleibt und die Daten weiterhin in Gefahr sind.
Die folgenden Beispiele spiegeln meine Wahl recht gut wieder, aber das sollte kein Argument sein, sich nicht selber auch noch Gedanken zu machen. Und komplett sind sie eh nicht.
Einen einfachen Start bieten Apps auf dem Handy, z.B.:
Für Android Nutzer bietet F-Droid die Möglichkeit Apps auch aus weiteren Quellen als dem Google Play Store zu installieren. Diese sind Open Source (und somit nicht einfach abschaltbar, aber dafür auch überprüfbar) und in der Regel frei von Trackern.
Über die zusätzliche Quelle IzzyOnDroid kommt noch einmal ein guter Schwung hochwertiger Open Source Apps dazu.
Meine empfohlenen Schritte:
Signal ist ein Messenger wie WhatsApp, der aber so gut wie es geht Daten verschlüsselt, oder gar nicht erst erhebt. Man kann sich hier einfach mal die App installieren, sich kurz registrieren und schon mit einigen Kontakten chatten. Für ein paar wechsel-unwillige Freunde, kann man ja immer noch sporadisch auf WhatsApp schauen.
Signal ist nicht perfekt, es gibt vermutlich sogar bessere Messenger. Aber dort ist die Hürde leider größer, sodass die kritische Masse dort schwerer erreichbar ist. Mike Kuketz hat das etwas detaillierter betrachtet.
Vieles geht mittlerweile nicht mehr ohne Internet, und ohne dass ein Server im Hintergrund die Daten verarbeitet. Hier kommt wieder die Frage auf, ob ich dem Anbieter vertraue, oder nicht.
Der Gold-Standard ist es natürlich, wenn die Daten daheim auf einem gesicherten Rechner gespeichert und verarbeitet werden. Das geht prinzipiell schon, allerdings ist das nicht für jede*n etwas. Dafür braucht es einiges an Zeit, und vor allem viel Motivation sich mit Netzwerk, Konfiguration und Backups herumzuschlagen.
Für Normalnutzer*innen ist es daher vermutlich sinnvoller sich Anbieter von Open Source Software zu suchen, die sich darum kümmern.
Das sogenannte Fediverse bietet eine Alternative zu Twitter, Facebook und Co. Gerade Mastodon erfährt in den letzten Monaten immer mehr Zulauf für Microblogging. Anders als die herkömmlichen Anbieter kann man sich aber zwischen verschiedenen Servern entscheiden. Jeder mit seinen eigenen Regeln und Themen. Hier sucht man sich einfach den aus, der auf Anhieb sympathisch ist, und kann dann danach trotzdem mit den anderen interagieren. Und falls man irgendwann feststellt, dass ein anderer Server besser geeignet wäre, zieht man einfach mit ein paar Klicks um.
Wir als Firma haben uns erstmal für mastodon.social entschieden, ich selber bin auf chaos.social unterwegs.
Als Alternative zu Dropbox und Microsoft 365 hat sich Nextcloud positioniert. Beliebige Dateien können hier abgelegt, auf den eigenen Geräten synchronisiert und mit Freunden und Kollegen geteilt werden. Das Ganze wird durch einen Kalender, Kontakteverwaltung, einem eigenen App-Store und einigen Funktionen mehr vervollständigt. Es ist unser Produktivitätstool, aber auch privat habe ich einen Server im Einsatz.
Passend dazu bieten wir mit BrewMemo auch eine Notiz-App für Nextcloud inklusive der passenden Apps für iOS und Android an.
Und mit BrewSuite können Unternehmen und Gemeinden in die Vorzüge einer Nextcloud ohne Stress genießen.
Dafür zu sorgen, dass die eigenen Daten sicher sind, ist nicht geschenkt. Man sollte sich hier schon eigene Gedanken dazu machen und etwas recherchieren.
Aber es gibt für fast alles Alternativen, die mindestens genauso gut sind wie die herkömmlichen Anbieter, dafür aber in Europa sitzen oder generell kleinere Brötchen backen keine Daten sammeln. Anfangen lohnt sich.
Für weitere Fragen bin ich auf Mastodon zu erreichen.
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